Emissionsvorschriften für die Schifffahrt
Klimapolitisch ist der maritime Verkehr bisher vernachlässigt worden. Jüngst jedoch von Wissenschaft1 und dem Weltklimarat als einer der größten Verursacher klimaschädlicher Emissionen identifiziert, rückt nun auch die Schifffahrt in den Fokus der politischen Klimaschutz-Diskussion. Dies hat auch Konsequenzen für die Reedereien:
Im April 2008 beschloss die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (International Maritime Organization, IMO) eine Senkung der Schwefelemissionen der Schifffahrt. Ab 2020 müssen Reedereien ihre Schiffe entweder mit Destillaten mit einem auf 0,5% beschränkten Schwefelgehalt statt mit Schweröl betreiben oder Scrubbing-Technologien2 einsetzen, um die Schiffsabgase zu reinigen3.
Für Reedereien bedeutet die Nutzung von Destillaten in Zukunft deutlich höhere Treibstoffkosten, da Raffinate wie Marine Gas Oil (MGO) und Marine Diesel Oil (MDO)4 erheblich teurer als das momentan überwiegend als Schiffstreibstoff eingesetzte, stark schwefelhaltige Schweröl sind.
Bereits heute müssen Reedereien in den sog. SECAs (Sulphur Emission Control Areas5) in Nord- und Ostsee ihre Schiffe mit „sauberem“ Treibstoff betreiben, der einen Schwefelgehalt von maximal 1,5% aufweist. Ab 2012 soll dieser Grenzwert weiter auf 1% gesenkt werden. Dies ist gleichbedeutend mit einer MDO/MGO-Pflicht, da sich der Schwefelanteil in Schweröl nicht bis auf diesen Wert senken lässt. Die Folge sind höhere Treibstoffkosten durch die Umstellung von Schweröl auf Diesel und die mit der dann erhöhten Nachfrage verbundenen Preissteigerungen für MGO und MDO. Ab 2015 wird der maximal erlaubte Schwefelanteil im Schiffstreibstoff in diesen Gebieten nochmals gesenkt auf 0,1%, was einen weiteren Preisanstieg zur Folge haben wird.
Zusätzlich zu den bereits verabschiedeten Vorschriften bereitet die IMO aufgrund internationalen politischen Drucks Vorschriften zur Reduzierung der CO2-Emissionen der Schifffahrt vor:
EEDI (Energy Efficiency Design Index)
Der EEDI ist eine mathematische Formel, mit der für jedes individuelle Schiffsdesign eine spezifische Energieeffizienz-Kennzahl errechnet wird. Diese Kennzahl wird in Gramm CO2 pro Kapazitäts-Meile des Schiffs angegeben, z.B. Tonnen-Meilen. Je geringer der EEDI-Wert, desto energieeffizienter ist das Schiffsdesign. Die schrittweise Reduzierung des vorgeschriebenen EEDI wird die kontinuierliche technische Weiterentwicklung aller Komponenten, die die Treibstoffeffizienz eines Schiffes beeinflussen, fördern und einen transparenten Mechanismus zum Vergleich der Energieeffizienz von einzelnen Schiffen bieten.
SEEMP (Ship Energy Efficiency Management Plan)
Der SEEMP ist ein Ansatz zur Überwachung der Schiffs- und Flotteneffizienz über einen längeren Zeitraum, der die Schiffseigner dazu ermutigen soll, neue Technologien und Praktiken in Betracht zu ziehen um die Schiffsperformance zu optimieren. Der SEEMP gilt ebenfalls für bestehende Schiffe.
MBM (Marktbasierte Mechanismen)
Wirtschaftliche Maßnahmen können global auf die Schifffahrt angewendet werden, um eine Reduktion der Emissionen zu unterstützen. Die Vorschläge für marktbasierte Maßnahmen (MBM), die derzeit geprüft werden, reichen von einem Beitrag oder einer Steuer auf die gesamten CO2-Emissionen der Schifffahrt oder nur für die Schiffe, die den EEDI-Anforderungen nicht gerecht werden, über Emissionshandelsystematiken bis zu Modellen, die auf der tatsächlichen Effizienz des Schiffes in Abhängigkeit von sowohl Design (EEDI), als auch Betrieb (SEEMP) basieren.
1: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): SeaKLIM-Abschlussbericht
2: Das sog. „Scrubbing“ bezeichnet eine Filtertechnologie ähnlich eines Katalysators, bei der der Abgasstrom des Schiffes durch Meerwasser geleitet wird, wobei die schädlichen Schwefeloxide mit dem Meerwasser reagieren und zu auf den ersten Blick ungefährlichen Reaktionsprodukten werden.
3: IMO: Luftverschmutzung durch die Schiffahrt
4: Im Vergleich zu Schweröl (zumeist mit der Qualität „IFO“ bezeichnet), welches einen durchschnittlichen Schwefelgehalt von 3,5% aufweist, weisen die raffinierten Dieselölqualitäten MGO und MDO nur einen Schwefelgehalt von 1 - 1,5% auf. Ihr Preis ist in etwa doppelt so hoch wie der von Schweröl.
5: Schwefelemissionskontrollgebiete
Übersicht aktueller und geplanter Emissionsvorschriften der IMO
International Maritime Organization (IMO)http://www.imo.org/

